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Peak Shaving mit Batteriespeicher: Lastspitzen kappen und Netzentgelte senken

Magazin · mainilkanjo GmbH · ca. 8 Min. Lesezeit

In industriellen Betrieben mit registrierender Leistungsmessung entfällt ein erheblicher Anteil der Stromkosten auf den sogenannten Leistungspreis, also den Tarifbestandteil, der sich aus der jährlichen Höchstlastspitze ableitet. Je nach Netzgebiet, Spannungsebene und Vollbenutzungsstunden kann dieser Anteil zwischen 20 und 40 Prozent der gesamten Stromkostenrechnung ausmachen. Mit zunehmender Reform der Netzentgeltsystematik, die durch die Bundesnetzagentur und das Bundeswirtschaftsministerium vorangetrieben wird, verschiebt sich die Kostenlogik weiter in Richtung leistungsbasierter Komponenten. In dieser Konstellation entwickelt sich Peak Shaving Batteriespeicher zu einem der wirtschaftlich attraktivsten Anwendungsfälle für industrielle Energiespeicher überhaupt. Der vorliegende Beitrag erläutert die regulatorischen Grundlagen rund um § 19 StromNEV und atypische Netznutzung, beleuchtet die technische Funktionsweise des Peak Shaving, zeigt Dimensionierungsregeln auf und arbeitet anhand einer Beispielrechnung für einen 1.000-kW-Betrieb mit 500-kWh-Speicher auf, warum Amortisationszeiten unter fünf Jahren auch ohne Photovoltaikkopplung realistisch sind.

Regulatorische Grundlagen: § 19 StromNEV und Netzentgelte

Die Netzentgeltsystematik in Deutschland ist im § 19 der Stromnetzentgeltverordnung StromNEV geregelt. Industrielle Letztverbraucher mit einem Jahresverbrauch über 100.000 kWh und einer registrierenden Leistungsmessung zahlen ein leistungsbasiertes Netzentgelt, das sich aus einem Arbeitspreis in Cent pro Kilowattstunde und einem Leistungspreis in Euro pro Kilowatt zusammensetzt. Der Leistungspreis bezieht sich auf die jeweils höchste viertelstündliche Bezugsleistung des Abrechnungsjahres und wird mit einem festen Tarif multipliziert, der je nach Netzgebiet und Spannungsebene zwischen 80 und 180 Euro pro Kilowatt liegen kann.

Wer eine Lastspitze von 1.200 kW im Jahresmaximum verzeichnet, zahlt bei einem Leistungspreis von 130 Euro pro Kilowatt also 156.000 Euro Leistungsanteil zusätzlich zum Arbeitspreis. Eine Reduktion der Spitze um nur 200 kW spart in diesem Beispiel 26.000 Euro pro Jahr. Genau hier setzt Peak Shaving Batteriespeicher an: Der Speicher entlädt sich in jenen Momenten, in denen die Bezugsleistung die definierte Schwelle überschreiten würde, und sorgt damit für eine systematische Glättung der Lastkurve.

Atypische Netznutzung nach § 19 Abs. 2

Eine besondere Variante ist die atypische Netznutzung nach § 19 Abs. 2 Satz 1 StromNEV. Unternehmen, deren Lastspitzen außerhalb der typischen Netzhöchstlastzeiten liegen, können auf Antrag bei der Bundesnetzagentur ein reduziertes Netzentgelt geltend machen. Voraussetzung ist die nachweisliche Reduktion der Bezugsleistung in den Hochlastzeitfenstern des Netzbetreibers um mindestens 100 Stunden pro Jahr und um eine signifikante Marge. Mit einem präzise gesteuerten Peak Shaving Batteriespeicher lässt sich diese Bedingung gezielt erfüllen, was zu einer zusätzlichen Reduktion des Netzentgelts um bis zu 80 Prozent führen kann.

Funktionsweise und technisches Konzept

Peak Shaving Batteriespeicher arbeiten nach einem klaren Prinzip: Sobald der gemessene Lastgang einen vordefinierten Schwellenwert überschreitet, wird die Differenz zwischen Bezugsleistung und Schwelle durch den Speicher abgedeckt. Der Strom kommt also kurzzeitig nicht aus dem Netz, sondern aus der Batterie, wodurch die viertelstündliche Mittelleistung auf das Niveau der Schwelle gedrückt wird.

Technisch erfolgt die Steuerung über ein leistungsfähiges Energiemanagementsystem, das den 15-Minuten-RLM-Lastgang in Echtzeit erfasst, mit Prognosen zur erwarteten Last vergleicht und entsprechende Entladekommandos an den Batteriewechselrichter sendet. Die Wechselrichter sind in der Regel netzparallel im Anschlusspunkt zwischen Trafostation und Hauptverteilung installiert und müssen so dimensioniert sein, dass sie die maximale Differenzleistung über die typische Spitzendauer abdecken können.

Bedeutung der 15-Minuten-Mittelwertbildung

Ein zentraler technischer Aspekt ist die 15-Minuten-Mittelwertbildung des RLM-Lastgangs. Da das Netzentgelt nicht auf der Momentanleistung, sondern auf der höchsten 15-Minuten-Mittelleistung basiert, muss der Peak Shaving Batteriespeicher nicht jede einzelne Spitze für Sekundenbruchteile abdecken, sondern den Mittelwert eines Viertelstundenintervalls. Dies erleichtert die Steuerung und reduziert die erforderliche Speicherkapazität deutlich.

Schwellenwert-Optimierung durch KI

Die optimale Festlegung des Schwellenwerts ist nicht trivial. Wird die Schwelle zu niedrig gewählt, ist der Speicher häufig erschöpft, bevor das eigentliche Tagesmaximum erreicht wird. Wird sie zu hoch gewählt, bleibt das Einsparpotenzial ungenutzt. KI-basierte Prognosesysteme analysieren historische Lastgänge, Produktionspläne, Wetterprognosen und Wochentagseffekte und passen die Schwelle in Echtzeit dynamisch an. Erfahrungswerte zeigen, dass KI-gestützte Peak Shaving Batteriespeicher gegenüber statischen Regelungen 15 bis 30 Prozent höhere Einsparungen erzielen.

Dimensionierung: Spitzenleistung mal Dauer

Die Dimensionierung eines Peak Shaving Batteriespeicher folgt einer einfachen Formel: Erforderliche Kapazität gleich abzudeckende Spitzenleistung multipliziert mit typischer Spitzendauer. Wer eine Lastspitze von 200 kW über durchschnittlich 90 Minuten kappen möchte, benötigt eine nutzbare Speicherkapazität von 300 kWh sowie eine Wechselrichterleistung von mindestens 200 kW.

Hinzu kommen Reservefaktoren für unerwartete Lastereignisse, Alterungseffekte der Batterie und Reservekapazität für die Wiederbeladung außerhalb der Spitzenfenster. In der Praxis wird daher häufig ein Aufschlag von 20 bis 30 Prozent auf die berechnete Kapazität vorgenommen. Bei der Wechselrichterleistung gilt umgekehrt: Die Leistung muss exakt der maximalen Differenzleistung entsprechen, da Überdimensionierung wirtschaftlich nachteilig ist.

Lastgangsanalyse als Planungsbasis

Vor jeder Dimensionierung eines Peak Shaving Batteriespeicher steht eine detaillierte Analyse des historischen RLM-Lastgangs über mindestens 12 Monate. Aus dem Lastgang werden statistische Kennzahlen wie die Häufigkeitsverteilung der Spitzenlasten, die typische Spitzendauer, die Tageszeitenverteilung und die saisonale Schwankungsbreite abgeleitet. Diese Daten bilden die Grundlage für die wirtschaftliche Optimierung.

Verbrauchsanalyse und Prozessverständnis

Eine reine Lastganganalyse reicht oft nicht aus. Ergänzend muss verstanden werden, welche Prozesse die Spitzen verursachen. In einem Metallverarbeitungsbetrieb können das Anlauf der Pressen sein, in einer Bäckerei das morgendliche Aufheizen der Öfen, in einem Rechenzentrum saisonale Klimatisierungsspitzen. Erst dieses Prozessverständnis erlaubt eine prognosesichere Steuerung des Peak Shaving Batteriespeicher.

Beispielrechnung: 1.000-kW-Betrieb mit 500-kWh-Speicher

Zur Veranschaulichung dient ein typischer mittelständischer Produktionsbetrieb mit einer gemessenen Jahreshöchstlast von 1.000 kW. Der Leistungspreis im Netzgebiet beträgt 135 Euro pro Kilowatt, woraus sich ein jährlicher Leistungsanteil von 135.000 Euro ergibt. Die Lastganganalyse zeigt, dass die zehn höchsten Viertelstunden des Jahres jeweils zwischen 920 und 1.000 kW liegen und typischerweise 30 bis 45 Minuten andauern.

Ein Peak Shaving Batteriespeicher mit 250 kW Wechselrichterleistung und 500 kWh Nutzkapazität kann diese Spitzen auf 800 kW kappen. Die jährliche Einsparung ergibt sich aus 200 kW reduzierter Spitze multipliziert mit 135 Euro pro Kilowatt und beträgt 27.000 Euro. Hinzu kommen Erlöse aus atypischer Netznutzung in Höhe von rund 10.000 Euro sowie potenzielle Erlöse aus der Vermarktung an Regelleistung, die je nach Marktlage 8.000 bis 15.000 Euro pro Jahr betragen können.

Investition und Amortisation

Bei spezifischen Kosten von rund 500 Euro pro kWh ergibt sich eine Bruttoinvestition von etwa 250.000 Euro, ergänzt um 50.000 Euro für Wechselrichter, Steuerung und Installation, also rund 300.000 Euro Gesamtkosten. Bei einer Förderquote aus dem KfW-270-Programm und einer jährlichen Gesamtersparnis von 37.000 bis 52.000 Euro liegt die dynamische Amortisation zwischen 4,5 und 6 Jahren. Bei optimaler Multi-Use-Vermarktung und Inanspruchnahme des § 19 Abs. 2 StromNEV verkürzt sich der Wert auf unter 5 Jahre. Damit zeigt sich, dass Peak Shaving Batteriespeicher auch ohne Photovoltaikkopplung wirtschaftlich tragfähig sein können, was sie für reine Industriebetriebe ohne Dachfläche besonders attraktiv macht.

Kombination mit Photovoltaik-Eigenverbrauch

Während Peak Shaving Batteriespeicher prinzipiell als Stand-alone-Lösung wirtschaftlich tragfähig sind, ergibt die Kombination mit einer Photovoltaikanlage zusätzliche Synergiepotenziale. Wenn die solare Erzeugungsspitze um die Mittagsstunden mit den betrieblichen Lastspitzen zeitlich zusammenfällt, kann der Photovoltaikstrom direkt die Spitzenlast reduzieren, ohne den Speicher zu beanspruchen.

In Industriebetrieben mit Mehrschichtbetrieb oder Lastspitzen außerhalb der Mittagsstunden übernimmt der Speicher die Pufferung des Photovoltaikstroms in die kritischen Zeitfenster. Auf diese Weise lässt sich nicht nur der Leistungspreis reduzieren, sondern auch der Eigenverbrauchsanteil der Photovoltaikanlage maximieren. Die kombinierten Wirtschaftlichkeitseffekte führen häufig zu einer Verkürzung der Amortisation des Gesamtsystems auf 4 bis 5 Jahre.

Multi-Use-Strategie mit Regelleistungsvermarktung

Eine weitere Optimierung ergibt sich aus der Vermarktung freier Speicherkapazitäten an die Regelleistungsmärkte. Außerhalb der prognostizierten Spitzenfenster steht der Peak Shaving Batteriespeicher häufig ungenutzt zur Verfügung. Über einen Aggregator kann diese Kapazität für die Bereitstellung von Sekundärregelleistung aFRR genutzt werden. Voraussetzung ist eine intelligente Priorisierungslogik, die das Peak Shaving als primären Anwendungsfall absichert und die Regelleistung nur in Zeitfenstern aktiviert, in denen kein Spitzenrisiko besteht.

Rolle der KI-basierten Lastprognose

Der Erfolg eines Peak Shaving Batteriespeicher steht und fällt mit der Qualität der Lastprognose. Moderne KI-Systeme nutzen maschinelles Lernen, um aus historischen Lastdaten, Produktionsplänen, Wetterprognosen und externen Faktoren wie Feiertagen oder Schichtplänen präzise Vorhersagen über die kommenden 24 bis 96 Stunden zu erstellen. Die Prognosegenauigkeit liegt bei guten Systemen in der Größenordnung von 92 bis 96 Prozent für das Tagesmaximum.

Adaptive Schwellenwertsteuerung

Auf Basis dieser Prognosen passt das Steuerungssystem den Spitzenschwellwert dynamisch an. An Tagen mit niedriger Lastprognose wird die Schwelle abgesenkt, um zusätzliche Erlöse aus Arbitrage oder Regelleistung zu generieren. An Tagen mit hoher Lastprognose wird die Schwelle angehoben, um die volle Speicherkapazität für das Spitzenkappen vorzuhalten.

Integration in ERP- und MES-Systeme

In fortgeschrittenen Anwendungen wird der Peak Shaving Batteriespeicher in das Manufacturing-Execution-System MES oder das ERP-System des Betriebs integriert. Damit fließen geplante Produktionsaufträge unmittelbar in die Speicherfahrplanung ein. Wenn das ERP für den kommenden Tag einen hohen Maschinenanlauf um 6:00 Uhr morgens vorhersagt, wird der Speicher in der Nacht zuvor automatisch vollgeladen.

Fazit

Peak Shaving Batteriespeicher gehören 2026 zu den wirtschaftlich tragfähigsten Anwendungsfällen industrieller Energiespeicherung in Deutschland. Mit einem Leistungspreisanteil von 20 bis 40 Prozent der Stromkosten und der zunehmend leistungsbasierten Ausgestaltung der Netzentgelte werden Investitionen in Spitzenkappung zu strategischen Hebeln der Energiekostensteuerung. Die Beispielrechnung zeigt, dass bei einem 1.000-kW-Betrieb mit einem 500-kWh-Speicher Amortisationszeiten unter fünf Jahren auch ohne Photovoltaikkopplung realisierbar sind, sofern eine KI-basierte Lastprognose, eine adaptive Schwellenwertsteuerung und die Inanspruchnahme der atypischen Netznutzung nach § 19 Abs. 2 StromNEV konsequent umgesetzt werden. Die Kombination mit Photovoltaik-Eigenverbrauch und Multi-Use-Strategien wie Regelleistungsvermarktung steigert die Wirtschaftlichkeit weiter und reduziert die Amortisation auf 4 bis 5 Jahre. Wer eine industrielle Lastganganalyse, eine durchdachte Dimensionierung und eine professionelle Steuerung verbindet, schafft mit Peak Shaving Batteriespeicher eine dauerhafte Senkung der Energiekosten und einen strategischen Wettbewerbsvorteil gegenüber Wettbewerbern, die ihre Lastspitzen ungebremst dem Netz aussetzen.

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