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PV-Fassaden für Gewerbeimmobilien: Architektur und Energie wirtschaftlich kombinieren

Magazin · mainilkanjo GmbH · ca. 8 Min. Lesezeit

Die PV-Fassade Gewerbeimmobilie hat sich in den letzten Jahren von einem architektonischen Ausnahmeprojekt zu einer regelrecht in die Bauplanung integrierten Lösung entwickelt. Während Dachflächen in vielen Bestands- und Neubauprojekten bereits weitgehend mit Aufdachanlagen belegt sind oder durch Lichtkuppeln, technische Aufbauten und Statikgrenzen limitiert werden, bieten Fassaden große, bislang ungenutzte Flächen mit eigener Lastableitung. Bauwerkintegrierte Photovoltaik, kurz BIPV, ersetzt dabei klassische Fassadenverkleidungen wie Aluminium-Verbundplatten, hinterlüftete Klinkerfassaden oder Glas-Vorhangfassaden und übernimmt deren Funktion als bauphysikalische Hülle. Bei Verwaltungsgebäuden, Parkhäusern, Logistikhallen und Hochregallagern entstehen damit zusätzliche Erzeugungspotenziale, die sich in vielen Fällen mit den Anforderungen an architektonische Gestaltung, Schallschutz und Wärmedämmung vereinbaren lassen. Dieser Fachartikel analysiert Ertragsstruktur, Kosten, Zulassungspflichten und Planungsanforderungen einer PV-Fassade in der gewerblichen Immobilie und ordnet sie in das Spektrum verfügbarer Erzeugungsoptionen ein.

Ertragsstruktur einer PV-Fassade in mitteleuropäischen Breiten

Eine vertikal montierte PV-Fassade erzielt typischerweise 50 bis 70 Prozent des Ertrags, den eine optimal ausgerichtete Aufdach-Anlage am gleichen Standort liefert. Bei einer Süd-Fassade in Mitteldeutschland sind das je nach Modultechnologie 350 bis 700 Kilowattstunden pro installierter Kilowattpeak und Jahr. Die geringere Einstrahlung gegenüber dem Dach resultiert aus dem flacheren Sonnenstand im Sommer, der die direkte Bestrahlung der Fassade reduziert, sowie aus partieller Verschattung durch Nachbargebäude und Vegetation. Im Winter dreht sich dieses Verhältnis: Eine vertikale Anordnung liefert in den Monaten November bis Februar überproportional viel Energie, da die tiefstehende Sonne die Modulebene nahezu senkrecht trifft und Reflexionen von Schneeflächen die Strahlungsdichte zusätzlich erhöhen.

Lastprofil und Eigenverbrauchsquote

Diese Saisonverschiebung kommt der typischen Lastkurve von Gewerbeimmobilien entgegen. Verwaltungs- und Produktionsgebäude haben in den Wintermonaten erhöhten Strombedarf durch Beleuchtung, Lüftung, Wärmepumpen und elektrische Nachheizung, während die Aufdach-PV in dieser Zeit naturgemäß wenig liefert. Die Kombination aus Dach- und Fassadenanlage glättet das Erzeugungsprofil über das Jahr und steigert die Eigenverbrauchsquote in vielen Konstellationen um 8 bis 15 Prozentpunkte. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit, da der spezifische Wert einer selbst verbrauchten Kilowattstunde im Mittel rund 18 bis 25 Cent über der EEG-Einspeisevergütung liegt. Eine PV-Fassade Gewerbeimmobilie liefert damit nicht zuletzt einen strategischen Beitrag zur Versorgungssicherheit in den Wintermonaten und reduziert die Notwendigkeit zusätzlicher Speicherkapazität.

Bauwerkintegrierte Photovoltaik versus addierte Solarverkleidung

Bei der Planung einer PV-Fassade sind zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze zu unterscheiden. Bei der bauwerkintegrierten Photovoltaik übernehmen die Module die Funktion der Außenhülle vollständig. Sie ersetzen klassische Verkleidungen aus Stein, Metall oder Glas und schließen die thermische Hülle gegen Witterung, Wind und Schlagregen ab. Bei der addierten Variante hingegen wird eine bestehende Fassade durch eine zusätzlich vorgehängte Modulebene ergänzt; die ursprüngliche Verkleidung bleibt unter den Modulen erhalten und übernimmt weiterhin ihre Schutzfunktion.

Kostenvergleich und Wirtschaftlichkeit

Die bauwerkintegrierte Variante ist in der Investition teurer als ein Standard-Glasmodul, aber die Mehrkosten reduzieren sich, weil die ohnehin geplante Fassadenverkleidung entfällt. In vielen Projekten bewegt sich die Differenz auf ein Niveau, das mit hochwertigen konventionellen Fassaden vergleichbar ist: Klinkervorsatzschalen, Glas-Aluminium-Konstruktionen oder Naturstein liegen häufig bei 600 bis 1.200 Euro pro Quadratmeter, während eine BIPV-Lösung je nach Modul, Unterkonstruktion und Anschlusstechnik zwischen 550 und 1.400 Euro pro Quadratmeter rangiert. Der entscheidende Unterschied ist, dass die PV-Fassade über ihre Nutzungsdauer von 25 bis 30 Jahren Erträge generiert. Die addierte Variante ist wirtschaftlich nur dann attraktiv, wenn die bestehende Fassade ohnehin erhalten bleiben muss und keine Sanierung ansteht. Die PV-Fassade Gewerbeimmobilie als BIPV-Variante hingegen wandelt einen reinen Kostenposten der Baukonstruktion in eine Energieerzeugungsfläche um.

DIBt-Zulassung und bauordnungsrechtliche Anforderungen

Für die Anwendung von Photovoltaik als Bauteil der Außenhülle ist in Deutschland eine bauaufsichtliche Verwendbarkeit nachzuweisen. Dies erfolgt entweder durch eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik mit einer Z-Nummer, durch eine europäische technische Bewertung oder durch eine Zustimmung im Einzelfall. Die Z-Nummer dokumentiert, dass das System hinsichtlich Standsicherheit, Brandschutz und Witterungsbeständigkeit dauerhaft geeignet ist. Maßgeblich sind insbesondere die Lastableitung der Module, die Verbindungstechnik der Unterkonstruktion und das Brandverhalten der eingesetzten Materialien.

Brandschutz und Absturzsicherung

Bei Gebäuden ab Gebäudeklasse 4 oder bei Sonderbauten wie Hochregallagern und Versammlungsstätten gelten zusätzliche Anforderungen an die Klassifizierung nach DIN EN 13501. PV-Glas-Glas-Module sind in der Regel klassifiziert nach A2-s1, d0 oder B-s1, d0, was eine bauordnungskonforme Verwendung erlaubt. Die elektrische Sicherheit wird über brandschutzkonforme Anschlussdosen, Brandschutzschalter, Feuerwehrschalter und stringgenaues Monitoring abgebildet. Die Absturzsicherung gegen Bruchstücke bei Glasbruch ist nach den Technischen Regeln für die Verwendung von absturzsichernden Verglasungen nachzuweisen. Diese Anforderungen sind anspruchsvoller als bei Aufdach-Anlagen, aber bei sachgerechter Planung problemlos einzuhalten. Die Mehrkosten für die Zulassungsprüfung und die Dokumentation belaufen sich projektabhängig auf 1 bis 3 Prozent der Modulinvestition.

Farbige Module, Glasoptik und architektonische Gestaltung

Die größte Hürde einer PV-Fassade ist häufig nicht die Technik, sondern die ästhetische Akzeptanz. Konventionelle dunkelblaue oder schwarze Solarmodule werden in der Außenhülle eines Verwaltungsgebäudes oder eines repräsentativen Standorts häufig als gestaltungsfremd empfunden. Mit farbigen Modulen und Glasoptiken haben sich in den letzten Jahren technologische Lösungen etabliert, die das Architekturspektrum erheblich erweitern.

Technologien für gestaltete Fassadenmodule

Die ColorBlast-Technologie nutzt dünne Interferenzschichten, die einen Großteil der sichtbaren Strahlung reflektieren und das Modul für den Betrachter in beliebigen Farben erscheinen lassen. Der Ertragsverlust liegt je nach Farbtiefe zwischen 5 und 25 Prozent. Alternative Verfahren wie keramischer Siebdruck, gefärbte Verkapselungsfolien oder strukturierte Frontgläser ermöglichen ebenfalls vielfältige Gestaltungsoptionen. Glasoptiken im Stil von Klarglas, Mattglas oder eingefärbtem Stahlbeton lassen sich realisieren, ohne die Modulfunktion zu beeinträchtigen. Architekten können damit auf einer einheitlichen technischen Grundlage Fassaden gestalten, die nicht als Solaranlage wahrgenommen werden, aber dennoch Strom erzeugen. Bei einem Verwaltungsgebäude mit einer 2.000 Quadratmeter großen Süd- und Ost-Fassade kann auch bei 15 Prozent Farbverlust noch eine Jahreserzeugung von 150 bis 200 Megawattstunden erreicht werden, die bilanziell einen erheblichen Anteil des Strombedarfs deckt.

Geeignete Gebäudetypologien und Mehrertragsflächen

Nicht jede Gewerbeimmobilie eignet sich gleichermaßen für eine PV-Fassade. Die wirtschaftliche und gestalterische Eignung hängt vom Gebäudetyp, der Fassadenfläche, der Verschattungssituation und der Belegung der Dachflächen ab. Drei Gebäudetypen zeigen besonders günstige Voraussetzungen.

Verwaltungsgebäude, Parkhäuser und Hochregallager

Verwaltungsgebäude bieten häufig große, durchgängige Süd- und Ost-West-Fassaden, die nur durch Fensterbänder unterbrochen werden. Hier eignen sich vor allem geschosshohe Brüstungsmodule und Vordachelemente. Parkhäuser haben offene Tragwerksstrukturen, an denen sich PV-Fassaden mit gleichzeitig schlagregenabweisender Funktion realisieren lassen, was zusätzlich den baulichen Witterungsschutz übernimmt. Hochregallager und Distributionszentren bieten Stirnseiten mit Flächen von häufig mehr als 1.500 Quadratmetern, die aufgrund der Lagerlogistik fensterlos sind und sich nahezu vollständig mit Modulen belegen lassen. Diese Mehrertragsflächen sind besonders dann interessant, wenn die Dachfläche bereits vollständig durch eine Aufdach-PV genutzt wird und keine weitere Modulleistung dort installierbar ist. Eine 2.000 Quadratmeter große Stirnseite eines Hochregallagers liefert bei moderater Auslegung 200 bis 280 Megawattstunden pro Jahr und damit einen substanziellen Beitrag zum Eigenverbrauch der Logistikkälte- oder Förderanlagen.

Bauphysik, Dämmung und thermische Wechselwirkungen

Die thermischen Auswirkungen einer PV-Fassade auf den Wärmehaushalt des Gebäudes werden in der Planung häufig unterschätzt. Module erwärmen sich im Betrieb auf bis zu 70 Grad Celsius, geben einen Teil dieser Wärme nach außen ab und transportieren bei hinterlüfteten Konstruktionen einen weiteren Teil über den Luftspalt ab. Bei kalten und sonnigen Wintertagen kann dieser Effekt die solaren Wärmegewinne der Fassade ergänzen und den Heizwärmebedarf reduzieren. Im Sommer können hinterlüftete Konstruktionen die Wärmebelastung der Außenwand sogar reduzieren, da die Module wie ein Sonnenschirm wirken.

Dämmung und Energieeffizienz nach KfW-Effizienzhaus-Standard

In der Planung ist die Modulebene als äußere Schicht einer hinterlüfteten Fassade einzuordnen. Die Wärmedämmung wird darunter, auf der tragenden Wand, angeordnet. Die Anforderungen an den U-Wert der Außenwand richten sich nach dem Gebäudeenergiegesetz und gegebenenfalls dem angestrebten KfW-Effizienzhaus-Standard. Für Gewerbeimmobilien sind die KfW-Effizienzgebäude-Niveaus 70, 55 und 40 relevant, jeweils mit unterschiedlichen Tilgungszuschüssen und zinsverbilligten Krediten. Eine PV-Fassade kann auf die rechnerische Primärenergiebilanz angerechnet werden und damit das Erreichen einer höheren Effizienzklasse erleichtern. Der spezifische Primärenergiefaktor für selbst erzeugten und selbst verbrauchten Strom ist deutlich geringer als der Netzbezug, was die Bilanz zusätzlich verbessert.

Ausschreibung, Architekturwettbewerbe und Lebenszyklusbetrachtung

Bei größeren Neubauten und repräsentativen Standorten ist die Einbindung einer PV-Fassade häufig Gegenstand des Architekturwettbewerbs. Die frühzeitige Festlegung des Energiekonzepts ermöglicht eine konsistente architektonische Sprache, in der die PV-Fassade nicht nachträglich aufgesetzt, sondern integraler Bestandteil der Gebäudegestaltung ist. Im Wettbewerbsverfahren werden Erzeugungsprognosen, Lebenszykluskosten und Gestaltungsqualität gemeinsam bewertet.

Lebenszyklusrechnung und Reinvestitionspunkte

Über einen Lebenszyklus von 30 Jahren sind in der Wirtschaftlichkeitsrechnung mehrere Reinvestitionspunkte abzubilden. Die Wechselrichter sind nach 10 bis 15 Jahren zu erneuern, einzelne Module gegebenenfalls nach Defekten zu tauschen, die Verbindungstechnik und die Brandschutzeinrichtungen sind regelmäßig zu prüfen. Im Vergleich zu einer konventionellen Hochwertfassade liegen die Lebenszykluskosten in vielen Konstellationen niedriger, weil die Erzeugungserlöse die zusätzlichen Wartungskosten überkompensieren. Die spezifischen Lebenszykluskosten pro Quadratmeter PV-Fassade rangieren je nach Auslegung zwischen 20 und 35 Euro pro Quadratmeter und Jahr, während die spezifischen Erträge zwischen 25 und 45 Euro pro Quadratmeter und Jahr liegen. Die Differenz ergibt den Beitrag zur Gesamtwirtschaftlichkeit des Gebäudes.

Fazit

Die PV-Fassade Gewerbeimmobilie ist in Deutschland eine technisch ausgereifte Ergänzung zur Aufdach-PV, die in besonderer Weise die Wintererzeugung stärkt und die Eigenverbrauchsquote über das Jahr glättet. Mit Erträgen von 50 bis 70 Prozent einer optimal ausgerichteten Dachanlage und einer Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren ist sie eine ernsthafte Erzeugungsoption, sobald Dachflächen ausgereizt sind oder repräsentative Gebäude eine bauwerkintegrierte Lösung verlangen. Die DIBt-Zulassung und die bauordnungsrechtlichen Anforderungen sind anspruchsvoll, aber in der Praxis beherrschbar, und farbige Module und Glasoptiken erlauben architektonisch hochwertige Lösungen. Die Kombination mit KfW-Effizienzhaus-Niveaus, mit ESG-Reporting und mit Architekturwettbewerben hebt die PV-Fassade aus der reinen Energietechnik in das strategische Gebäudemanagement. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit ist die frühzeitige Integration in die Bauplanung und eine belastbare Lebenszyklusrechnung über 30 Jahre.

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